Wenn Schubladen knarzen

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Dieser Kommentar brennt mir schon seit Ewigkeiten unter den Fingernägeln.

Der erste Jahrestag von Pegida. Hass und Hetze nehmen zu und werden intensiver. Galgen werden bildlich geknüpft. Der Messerangriff auf Fr. Reker. Wir können massenhaft Übergriffe zählen.

Unser erstes eigentliches Problem steckt aber wie fast immer unter der Oberfläche. Unsere Schubladen knarzen und quietschen. Wir müssen regelrecht am Knauf rütteln, um sie auf zu bekommen, jemanden oder etwas dort einzusortieren und sie wieder zu schließen. Mittlerweile haben wir schon zwei bis drei Schubladen offen, um schneller reagieren zu können. Und dann stellt sich erst recht die Frage, wo denn nun hin mit ihm oder ihr? Zuviel Auswahl. Und irgendwann haben wir es satt uns mit der immer wiederkehrenden Frage zu beschäftigen. Einfach rein da! In die große, untere Schublade. Da ist eh viel Platz und so oft schauen wir da auch nicht rein.

Islamkritiker? Nee! Besorgter Bürger? Naaa, schon eher. Aber irgendwie. Nein, alles Nazis. Genau das ist unser aller Unfähigkeit einen politischen Diskurs zu halten.

Eine unerhörte Anzahl an Menschen hat zwei, drei Schritte in die rechte Ecke unternommen. Manche sogar tatsächlich noch ein paar Schritte mehr. Unsere Reaktion ist aber ebenso armselig. Wie ein Croupier schieben wir mit dem Rateau diese Masse vollends in den braunen Sumpf.

Wir bereiten die Masse vor, die dann die wenigen Idioten und ihre Taten tragen. Ihnen sogar applaudieren. Wir sorgen dafür, dass sich Pegida auch zum zweiten Mal jähren wird. Jede Wette!

Ich empfinde Bezeichnungen wie Islamkritiker oder besorgte Bürger ebenso als Euphemismen. Sie sind sogar unzutreffend. Aber sie alle als Nazis zu bezeichnen ist ebenso unzutreffend. Ein Zugang ohne Hintergedanken wird teilweise als unmöglich angesehen.

Wir werden sie alle so oft Nazis nennen, bis sie sich selbst so nennen werden. Und dann ist deren Identitätskrise beendet. Wollen wir das?

Wir werden die Lichterketten der Anständigen bald sehen.